Dr. E. Weiser Koenigsbacher Str. 51, 75106 Remchingen, Tel. 07232/311855
Rhinitis allergica (Heuschnupfen)
Die Zahl der Allergiker im Allgemeinen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Neben Asthma, Neurodermitis ist die allergische Rhinitis eine der häufigsten allergischen Erkrankungen. Sie betrifft mit ca. 20% ein Fünftel der deutschen Bevölkerung. Die BRD nimmt mit dieser Anzahl ein Platz im Mittelfeld in Europa ein.
Es zeigt sich, dass die Schwere des Verlaufs und das weitere Fortschreiten stark unterschiedlich sein kann: von weitgehendem Verschwinden von Symptomen bis hin zu einer „Atopie-Karriere“ mit Entwicklung eines Asthma bronchiales sind alle Verläufe möglich.
Symptome
Oft beginnt die Erkrankung mit einem Jucken der Nase bzw. ausgeprägtem Niesen. Die Nase kann stark Laufen oder auch einfach nur stark verstopft sein. Nicht selten kommen noch weitere Symptome an den Augen hinzu.
Heuschnupfen führt häufig zu Folge-Problemen: verminderte Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz bzw. der Schule, Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit. Hieraus können gravierende Auswirkungen auf die sozialen Kontakte entstehen.
Definition der allergischen Rhinitis
Es gibt drei Arten von Heuschnupfen: die saisonale, ganzjährige und berufsbedingte Form. Für Kinder interessant sind hier natürlich die ersten beiden Formen. Pollen-Allergene bewirken entsprechend ihrer saisonalen Häufung Symptome, während z.B. Hausstaubmilben über das ganze Jahr vorkommen und daher Sommer wie Winter Symptome hervorrufen können.
Saisonale Rhinitis
Die exakte Erhebung der Krankengeschichte erlaubt meist eine exakte Eingrenzung der jeweiligen Allergene. Frühe Symptome sind Jucken an Nase oder Augen. Aber auch ein Juckreiz an der Mundschleimhaut, im Rachen oder den äußeren Gehörgängen kommt vor. Steigt die Pollenkonzentration weiter entwickelt sich ein klarer Fließschnupfen bzw. es kommt zu „Niesanfällen“. Auch die Schleimhäute der Augen können betroffen sein und es sind Tränenfluss und geschwollene Schleimhäute der Augen/Lidschwellungen zu sehen.
Ganzjährige Rhinitis
Meist ist hier die Nase „versteckt“. Niesattacken kommen vor und z.B. Kopfschmerzen können auf mitbeteiligte Schleimhäute der Nebenhöhlen hinweisen.
Allergiediagnostik im Kindesalter
Ab ca. fünf Jahren kann eine sehr ausführliche Allergen-Suche gestartet werden. Aber auch vor fünf Jahren sollten Ursachen gesucht werden. Da eine Entwicklung von Folge-Krankheiten möglich ist, sollte hiermit nicht zu lange gewartet werden! Diagnostische Schritte sind: exakte Erhebung der Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, Hauttest, Bluttests oder auch die Durchführung von Lungenuntersuchungen.
Therapie
An eine frühzeitige Diagnostik sollte sich auch früh eine adäquate Therapie anschließen! Dies sind: Karenzmaßnahmen, medikamentöse Therapie oder auch ggf. eine sog. Hyposensibilisierung.
Karenzmaßnahmen. Das Meiden eines identifizierten Allergens ist die erste (wenn auch nicht immer die einfachste) Hilfe-Maßnahme. Auf unserer Homepage haben wir unter „Service“ einen Pollenflugkalender installiert; hier können Sie ersehen, ob „ihr“ Allergen fliegt bzw. in welchen Konzentrationen. Bei Hausstaubmilben bringen oft sog. „Encasings“ (dies sind Milben undurchlässige Bettbezüge) Linderung. Bei Tierhaarallergien ist nur die strikte Trennung vom Tier möglich.
Medikamente. Die unterschiedlichen eingesetzten Medikamente sollen möglichst rasch eine Linderung der Beschwerden bewirken. Die heute zum Einsatz kommenden Medikamente sind gut wirksam und hervorragend verträglich.

Ø Anticholinergika. Prinzipiell ein gutes Medikament und auch in allen Leitlinien empfohlen. Leider in der Praktikabilität (Verordnung, lange Beschaffungswege) auf Probleme. Durch gleichwertige Mittel ersetzbar und daher in unserer Praxis verlassen.
Ø Cromone. Wirksam - aber nur schwache Effekte.
Ø Alpha-Sympathomimetika. Medikamente wie Olynth, Nasivin, Otriven helfen beim Heuschnupfen hervorragend, haben aber ein sehr großes Problem: bei längerem Einsatz über Wochen können sie die Schleimhaut schädigen und können daher bei Kindern nicht zum „Dauereinsatz“ kommen. Daher bitte NICHT ohne Rücksprache anwenden. Nach Rücksprache und Befundung bzw. auch ärztlicher Beratung spricht aber nichts gegen einen kurzen Einsatz bis z.B. in die Nase eingebachte Corticoide wirken!
Ø Antihistaminika. Sie können lokal in die Nase oder auch oral als z.B. Saft verabreicht werden. Der Einsatzbereich ist den untenstehenden Tabellen zu entnehmen.
Ø Coritcoide. Bei sämtlichen Empfehlungen aller Fachgesellschaften spielen sie eine zentrale Rolle. Durch die lokale kontinuierliche Anwendung kann eine hohe Schleimhaut-konzentration erreicht werden ohne dass das Medikament in nennenswerten Mengen in den Körper gelangt (keine nebenwirkungen). Daher ist in allen Leitlinien bei allen Schweregraden die Kombination von Antihistaminikum (Saft) mit einem lokal angewandten Corticoid empfohlen.
Generell besprechen wir bei jedem Kind aber nach der entsprechenden Diagnostik einen individuellen Behandlungsplan.
Hyposensibilisierung. Die einzige Therapie, die die Ursachen behandelt, ist die sog. Hyposensibilisierung. Besonders bei Kindern ist diese erfolgsversprechend und sinnvoll:
Ø Die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung eines Asthma bronchiales wird reduziert.
Ø Die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung weiterer Allergien wird verringert (wenngleich natürlich nicht zu 100%).
Dr. Med. E. Weiser Infoblatt Rhinitis allergica 090311

Quelle: Gaissacher Ärzte Journal 2011 (dto)
